56. Kleinheubacher Regatta 2015

 

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Kanusport/Familiensport - mehr als ein Schlagwort!
Kleinheubach 20./21. Juni 2015

Artikel für das Main Echo

Noch fünf Minuten hat der Schüler-Vierer der WSG Kleinheubach bis zum Start. Zum Aufwärmen dreht er vorher schnell noch eine Runde. Da passiert das Malheur: Ein Ast kracht ins Steuer, das Boot ist so gut wie manövrierunfähig. Und die Zeit läuft zum Countdown … Ein paar Rufe ins Publikum und Oma, Mama, Opa - alle einmal selbst Kanurennfahrer, Trainer und Betreuer - sind zur Stelle und versuchen, das Steuer unter Wasser wieder flott zu machen. Doch es hilft nichts. Jonas Münig, Marius Keck, Ben Wirl und Felix Wirl müssen noch einmal aussteigen, das lange Schiff muss aus dem Wasser gehoben werden. Die Schnellreparatur gelingt, das Steuer ist wieder frei. Jetzt heißt es einsteigen und schnell die 200 m bis zum Start fahren! Wer nicht rechtzeitig da ist, wenn die Boote am Vorstart aufgerufen werden, darf nicht mehr am Rennen teilnehmen. Aber es klappt noch gerade so. Nur zum Sieg reicht es nicht mehr, die Konkurrenz aus Kaiserlautern und von der KRV Bayern ist stärker. Die Aufregung im Vorfeld hat wohl schon so manche "Körner" gekostet. Medaillen gibt es für die vier Jungs trotzdem, diesmal Bronze - und die Genugtuung, noch ein paar Sekündchen schneller gewesen zu sein als der zweite Vierer aus dem eigenen Verein!

Viel Freude bereitete auch eine ganz junge Kleinheubacher Sportlerin (nicht nur) ihrem Trainer: Die achtjährige Paula Frosch saß vor drei Wochen zum ersten Mal überhaupt in einem Kanu. Aber als echtes Bewegungstalent machte sie riesen Fortschritte und durfte jetzt die erste Regatta ihres Lebens bestreiten. In vielen, vielen Rennen war der Unterschied zwischen jenen, die schon seit ein, zwei oder mehr Jahren im Rennkajak paddeln und jenen, die noch nicht so lange dabei sind, deutlich zu sehen. Nicht so bei Paula! Der Start klappte noch nicht so richtig. Aber der muss auch länger geübt werden, bis das schnelle, spritzige Paddeln richtig sitzt. Doch schnell holte Paula auf und ließ ihre Konkurrentinnen deutlich hinter sich. Über fünf Sekunden lag sie auf der 200-Meter-Strecke vorne -auf der Langstrecke (1.500 m) sogar eine gute halbe Minute - und freute sich riesig über ihre allerersten Goldmedaillen!

Der Kanurennsport lebt und hat nichts von seiner Faszination verloren, wie die Kleinheubacher Regatta bewies. Über 430 Teilnehmer aus 36 Vereinen, die bis aus der Pfalz und Neubrandenburg angereist waren, brachten den Main an zwei Tagen zum Kochen und Stimmung unter die Zuschauer! Die starken Teams aus der Renngemeinschaft in Baden-Württemberg oder aus den großen Kanu-Zentren Karlsruhe oder Mannheim-Sandhofen forderten die Sportler aus Bayern, vom bayerischen Untermain und vom ausrichtenden Verein, der WSG Kleinheubach, heraus. Oft brachte die momentane Form den hauchdünnen Unterschied zwischen Sieg und Platzierung - oder man spürte, wie viele Rennen schon in den Knochen der Sportler steckten. Denn die wechselten zwischen Vorlauf und Finale oft gerade nur die Startnummer oder vom Einerkajak ins Mannschaftsboot und stürmten schon wieder Richtung Start.

Sehr stark besetzt war die Klasse der männlichen Jugend. Dass es keine Zwischenläufe gab, mag so manchen jungen Sportler enttäuscht haben. So hieß bei sechs "Vorfinals" über 500 m: Nur der jeweils Schnellste erreicht das Finale. Ohne die sonst übliche zweite Chance für die Zweit- und Drittschnellsten. Lukas Möller vom SSKC Aschaffenburg fuhr hier in der Vorentscheidung die schnellste Zeit. Im Finale war dann Dominik Greguric aus Mannheim-Sandhofen schneller und holte den Sieg vor Möller.

Wie eng die Rennen über die Sprintdistanz von 200 m ausgehen können, zeigte die Herren Leistungsklasse: zwei 1. Plätze und zwei 2. Plätze! Den Juroren war keine andere Wahl geblieben. Und darunter die Kleinheubacher Florian Wirl und Thomas Reith, die ebenso wie Kai Wirl zwar offiziell schon vor Jahren vom aktiven Leistungssport Abschied genommen haben, die aber zumindest in Kleinheubach immer wieder vom Rennfieber infiziert werden. Kai Wirl war zwar 1997 Deutscher Meister, aber inzwischen gehört schon seinen Söhnen die Zukunft im Rennkajak. Woher diese "alten Recken" die Energie und Ausdauer hernehmen, um immer noch (zumindest über 200 m) junge, aktive, voll durchtrainierte Rennsportler teilweise sogar eine Minute und mehr hinter sich zu lassen, ist unglaublich!

Aber aus diesem Holz sind die Vorbilder für den Nachwuchs geschnitzt, und den gibt es zumindest in Kleinheubach reichlich. Sogar einen Mädchen-Vierer schickte die WSG in diesem Jahr bei den Schülern A ins Rennen. Die Damenwelt ist sonst in Nordbayern bei Regatten relativ dünn gesät, vor allem bei den älteren Jahrgängen. Die einzige Ausnahme im Feld der Juniorinnen am bayerischen Untermain ist Jessica Schwaab von der WSG, die normalerweise mit ihrer Kameradin vom SV Coburg im Zweier fährt. Eine neue Partnerschaft mit Sarah Winter vom DRC Neuburg war dieses Mal Garant für den Sieg.

Es ist eine gelungene Mischung aus Jung und "Alt" bei der WSG Kleinheubach, die sich ganz besonders in den Rennen der "Generationen-Vierer" (S4 alle Klassen) bemerkbar machte: Mit vier Booten startete die WSG in die beiden voll besetzten Vorläufe, und alle erreichten das Finale. Hier starteten stellten sie dann 50 % des Feldes - nur den Sieg mussten sie da an den SSKC Aschaffenburg abgeben, aber sie erreichten die Plätze 2, 3, 5 und 7.

Inklusion ist bei der Kleinheubacher Regatta inzwischen zur absoluten Selbstverständlichkeit geworden. Felix Höfner paddelt trotz seines starken Handicaps im Teamkajak mit Gleichaltrigen. Im Boot zählt nur die Leistung - andere Unterschiede gibt es nicht. Nicht in der WSG, und auch nicht im Kreis der jungen Kanusportler aus den anderen Vereinen. Man kennt sich und man akzeptiert sich, wie man eben ist. Das macht Hoffnung - nicht nur im Sport, sondern fürs ganze Leben!

DANKE!
Zahlreiche Personen, Firmen und Institutionen haben die Regatta der Wasser-Sport-Gemeinschaft Kleinheubach auch in diesem Jahr wieder mit Spenden und Ehrenpreisen unterstützt.
Die WSG bedankt sich ganz herzlich bei:
S. D. Fürst Alois Konstantin zu Löwenstein,
bei der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg e.G. und der Sparkasse Miltenberg-Obernburg sowie bei
den Firmen Berres Bau GmbH, Datzer GmbH, dm-drogerie markt GmbH + Co.KG, Ebra-Elektrogroßhandel, Kaiser Bekleidungs GmbH, Andreas Lang e.K., RUFprivat GmbH, Scheurich GmbH & Co.KG, Waidelich Mechanik GmbH, Walter Bertold GmbH Metallbau Stahlbau (alle Kleinheubach), Brauerei Faust OHG (Miltenberg), Höfer Gerald Fenster- u. Türenmontagen (Großheubach), Malerbetrieb Link (Laudenbach) und Odenwaldwerke Amorbach.



 

 

 

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